Öffentliche Bauvorhaben & Vergabepraxis:

Chancen, Herausforderungen und Fördermöglichkeiten

32. WirtschaftsDienst Forum

Dienstag, 3. Februar 2026 | 13:30 bis 17:00 Uhr

in der Alte Exerzierhalle Celle Am Französischen Garten 1, 29221 Celle

Wie lassen sich öffentliche Bauprojekte heute wirtschaftlich, rechtssicher und termintreu umsetzen? Welche Vergabemodelle schaffen Transparenz und Handlungssicherheit – und wo liegen ungenutzte Spielräume? Welche Fördermöglichkeiten können Kommunen und öffentliche Unternehmen nutzen, um Investitionen zu realisieren, ohne Haushalte dauerhaft zu belasten? Beim WirtschaftsDienst Forum kommunal  beleuchteten Expertinnen und Experten aus kommunaler, planender und rechtlicher Sicht die aktuellen Anforderungen, rechtliche Rahmenbedingungen und neue Ansätze im öffentlichen Bauen. Anhand konkreter Praxisbeispiele aus der Region diskutierten wir, wie integrierte Planung und Realisierung zur Kosten- und Terminsicherheit beitragen können, wie sich Vergabeprozesse effizient strukturieren lassen und welche Rolle frühzeitige Projektdefinition, klare Zuständigkeiten und partnerschaftliche Zusammenarbeit spielen. Das Forum gab Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, kommunalen Führungskräften aus den Bereichen Bau und Finanzen sowie den Teilnehmern aus öffentlichen Unternehmen einen Raum für fachlichen Austausch, Einordnung und konkrete Impulse für zukünftige öffentliche Bauvorhaben.

 

Bild: Dr. Mathias Finke (Kapellmann und Partner Rechtsanwälte, Hamburg), Michael Schultze-Rhonhof (DKC Kommunalberatung GmbH, Köln), Carsten Hense (GOLDBECK Public Partner GmbH, Bielefeld), Jörg Homeier (Stadt Neustadt am Rübenberge), Ramona Schumann (Stadt Pattensen), Tev Hagen Wilhelmsen (MOSAIK architekt:innen, Hannover) und Andreas Bosk (WirtschaftsDienst, Hannover), v.l.n.r..

Fotograf: Philip Ziebart



WirtschaftsDienst Forum kommunal: Öffentliche Bauprojekte zukunftsfähig gestalten

CELLE / HANNOVER. Wie lassen sich öffentliche Bauprojekte heute wirtschaftlich, rechtssicher und termintreu umsetzen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des 32. WirtschaftsDienst Forums kommunal am 3. Februar 2026 in der Alten Exerzierhalle der Stadt Celle. Der Einladung vom WirtschaftsDienst – dieses Mal hauptsächlich an Kommunen und Unternehmen der öffentlichen Hand gerichtet – waren rund 40 Verantwortliche aus Bau und Finanzen sowie Vertreter öffentlicher Unternehmen aus der Metropolregion und den daran angrenzenden Landkreisen aus Niedersachsen in die Residenzstadt gefolgt.

 

 

Die kommunale Praxis berichtet: Vom Projektstau zur Handlungsfähigkeit?

 

Die Bürgermeisterin der Stadt Pattensen, Ramona Schumann, eröffnete mit ihrem Expertenimpuls unter dem Titel „Vom Projektstau zur Handlungsfähigkeit“. Sie zeigte anhand konkreter Beispiele aus kommunaler Sicht, wie alternative Vergabeformen im kommunalen Hochbau dazu beitragen können, begrenzte personelle Ressourcen zu entlasten, Projektstaus abzubauen und Investitionen verlässlich umzusetzen. Ihr Fokus lag dabei darauf, den Teilnehmenden zu verdeutlichen, dass klare Verantwortungszuordnung, strategische Steuerung und den Mut haben, neue Wege zu gehen, der richtige Ansatz ist: „Rat und Verwaltung haben die Verantwortung, aktiv zu gestalten, statt passiv zu verwalten.“

Sie betonte, wie wichtig ihr gewesen sei, Kompetenzen ins Rathaus zu holen, gut vorbereitet und immer – auch bei externen Planungen – die Bauherrinfunktion,- verantwortung und -controlling als Stadt weiter wahrzunehmen. In ihrem Vortrag veranschaulichte Schumann, wie sich Pattensen aus einem langjährigen Projektstau im kommunalen Hochbau herausgearbeitet habe. Ausgangspunkt war eine Situation, die viele Kommunen kennen: Sanierungs- und Neubaubedarf bei Schulen, Kitas, Verwaltungs- und Feuerwehrgebäuden traf auf begrenzte personelle Ressourcen, steigende Qualitätsanforderungen und hohe Kosten- und Terminrisiken. Anhand der umgesetzten und zum Teil noch laufenden Projekte zeigte sie, warum ein „Weiter so“ mit klassischen Einzelvergaben keine Option mehr war und warum sich die Stadt bewusst für alternative Vergabeformen – insbesondere für das Totalübernehmermodell – entschieden habe. Ihr Praxisbericht zeigte, dass die Rolle der Kommune sich verändert hat. Statt Detailsteuerung stehe heute die strategische Bauherrenrolle im Mittelpunkt – mit klaren Zielvorgaben, politischer Rückendeckung, professionellem Projektcontrolling und transparenter Kommunikation gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.

 

 

„Ist diese Brille, durch die wir schauen, die richtige?“

 

 

Die Rolle, in der sich Verwaltungen, Städte und auch planerische Perspektiven befinden, griff Impulsgeber Tev Hagen Wilhelmsen, Dipl.-Ing. Architekt BDA und Geschäftsführer von MOSAIK architekt:innen (Hannover), ebenfalls auf. Er brachte eine „Brille“ als von ihm genutzte Metapher in seinen Vortrag ein.  „Ist diese Brille, durch die wir schauen, die richtige?“, begann er seinen Impuls. Je nach Perspektive – Verwaltung, Planung, Recht, Ausführende oder Nutzende – werde unterschiedlich auf ein Projekt geschaut und sei die Sichtweise eine andere. Auch könnten sich Dinge in einem Projekt ändern, dies müsse immer wieder hinterfragt werden. Er verdeutlichte, dass alle Beteiligten mit unterschiedlichen Erwartungen und Blickwinkeln auf ein Projekt schauen. Genau hier entstünden häufig Missverständnisse, Reibungsverluste und Konflikte.

Im Zentrum seines Beitrags stand die zunehmende Komplexität öffentlicher Bauprojekte – geprägt durch technische Anforderungen, Nachhaltigkeitsziele, Beteiligungsprozesse und nichtlineare Projektverläufe. In seinem Impuls unterstrich er, wie wichtig integrierte Planung, frühe Abstimmungen und gegenseitiges Verständnis sind, um Qualität, Kosten und Termine in Einklang zu bringen. Wilhelmsen plädierte daher für integrale, leistungsphasenübergreifende Planungsansätze, die Entwurf, Konstruktion und Bau stärker verzahnen. Frühzeitige Abstimmungen, agile Projektstrukturen und ein gemeinsames Verständnis von Qualität seien entscheidend, um Kostensteigerungen und Prozesskonflikte zu vermeiden. Sein Beitrag machte deutlich, dass gute Architektur und wirtschaftliche Umsetzung kein Widerspruch sind – sie brauchen jedoch passende Prozesse und klare Kommunikation.

 

 

Alternative Vergabeformen bieten große Chancen

 

 

Für die notwendige rechtliche Einordnung der diskutierten Vergabemodelle sorgte Dr. Mathias Finke, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht und geschäftsführender Partner bei Kapellmann und Partner Rechtsanwälte (Hamburg). Im Fokus seines Vortrags stand die Totalunternehmervergabe als Beschaffungsvariante – ihre Voraussetzungen, Chancen und rechtlichen Grenzen. Er zeigte auf, unter welchen Voraussetzungen alternative Vergabeformen wie die Totalunternehmervergabe (TU) rechtssicher eingesetzt werden können, wo ihre Stärken liegen und welche Anforderungen an Vorbereitung, Leistungsbeschreibung und Vergabeverfahren zu beachten seien.

Er erläuterte, unter welchen wirtschaftlichen und technischen Gründen eine Gesamtlosvergabe zulässig ist und wie Kommunen diese rechtssicher begründen können. Dabei ging es insbesondere um die Reduzierung von Koordinationsaufwand, die Sicherstellung von Kosten- und Termintreue sowie um die Frage der Mittelstandsfreundlichkeit. Darüber hinaus gab er einen detaillierten Überblick über den Ablauf eines TU-Vergabeverfahrens – von der Vorbereitung über Wertungskriterien bis hin zu Verhandlungs- und Entscheidungsprozessen. Den kommunalen Entscheidungsträgern gab er wichtige Handlungssicherheit und seine zentrale Botschaft mit auf den Weg: Alternative Vergabeformen bieten große Chancen, verlangen aber eine sehr sorgfältige Vorbereitung, präzise Leistungsbeschreibungen und eine kompetente Begleitung, um rechtliche Risiken zu minimieren. „Die Kommunen, die sich so verhalten, werden die sein, die langfristig erfolgreich sein werden.“

 

 

Offene Diskussion, vielfältige Perspektiven und Netzwerken

 

 

Mit Gespür für die dringenden Fragen in kommunalen Verwaltungen moderierte WirtschaftsDienst-Geschäftsführer Andreas Bosk in der sich anschließenden Podiumsdiskussion, in der dann auch die fachlichen Einordnungen von Jörg Homeier, Fachbereichsleiter Infrastruktur der Stadt Neustadt am Rübenberge, Michael Schultze-Rhonhof, Geschäftsführer der DKC Kommunalberatung GmbH (Köln), und Carsten Hense, Geschäftsführer der GOLDBECK Public Partner GmbH (Bielefeld), einflossen. Die Diskussion bot den Teilnehmenden noch einmal wertvolle Einordnungen, die Publikumsfragen konnten alle ausreichend beantwortet werden – stets mit Blick auf Umsetzbarkeit und kommunale Realität.

Beim gemeinsamen Imbiss und Kaffee bot die Exerzierhalle der Stadt Celle einen idealen Rahmen für intensives Netzwerken und vertiefende Gespräche. Deutlich wurde dabei: Integrierte Planung und Realisierung, klare Zuständigkeiten und eine frühzeitige Projektdefinition sind entscheidende Erfolgsfaktoren für Kosten- und Terminsicherheit. Viele Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, eigene Fragestellungen einzubringen und wertvolle Anregungen für ihre tägliche Arbeit mitzunehmen. Großen Zuspruch erhielt der Info-Stand der NBank (Investitions- und Förderbank Niedersachsen), an dem Fragen zu Förderprogrammen und Finanzierungsmöglichkeiten individuell geklärt werden konnten. Der persönliche Austausch mit der Beraterin Öffentliche Kunden der NBank, Kiana Werner, die als Ansprechpartnerin vor Ort war, wurde rege genutzt. Der Totalübernehmer GOLDBECK, der bereits mit vielen niedersächsischen Kommunen öffentliche Gebäude wie Feuerwehren und Schulen umgesetzt hat, war ebenfalls mit einigen Experten, wie Senior Sales Manager Lars Hildebrandt, vor Ort präsent und konnte mit eigenen Praxisbeispielen Umsetzungsmöglichkeiten veranschaulichen.

 

Die Resonanz  der Teilnehmenden auf die Impulse und mögliche Lösungsansätze für das öffentliche Bauen war durchweg positiv – ein Stück mehr Informationsvorsprung, Orientierung, Dialog und zukunftsfähige Möglichkeiten für Niedersachsen.

 

Text: WirtschaftsDienst (RED), 05.02.2026


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EINLADUNG WirtschaftsDienst Forum kommunal
3. Februar 2026 | Celle
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